Zum ersten Mal: Da waren es nur noch drei

oder: Schreiben, um nicht zu heulen

Ich fange mal mit der guten Nachricht an: Unsere Kleinste sitzt nicht mehr allein in ihrem Zimmer. Seit heute Nachmittag hat sie moralische Unterstützung, die jetzt allerdings im anderen Teil der Wohnung fehlt. Womit ich auch gleich zur schlechten Nachricht komme: Mein Mann ist jetzt ebenfalls positiv auf Corona getestet worden. Hatte ich neulich die Booster-Superkraft erwähnt? Die schützt offenbar auch die stärksten Helden nicht zwangsläufig. Zumindest nicht davor, sich zu infizieren, hoffentlich aber vor schweren Verläufen. Er hat bisher nur Schnupfen.

Ich hatte einen Teil meiner Hoffnung auf den heutigen Tag gesetzt, so wie einen Stapel Casino Chips. Zögerlich hatte ich ihn vorgeschoben und beim Feld „Samstag“ positioniert. Wenn wir heute alle weiterhin negativ sind, hatte ich gedacht, dann wäre das wieder ein Meilenstein, dann hätten wir uns sehr wahrscheinlich nicht am Montagabend oder Dienstagmorgen infiziert. So genau weiß ja niemand, wie lang die Inkubationszeit bei Omikron ist (und wir wissen auch nicht, ob es sich bei uns überhaupt um Omikron handelt), aber unsere Kleinste hatte sich sehr wahrscheinlich am Freitag angesteckt und war am Dienstagmorgen positiv getestet worden, also am vierten Tag. Irgendwie hatte ich gedacht und gehofft, dass wir heute im grünen Bereich wären.

So ist es aber nicht, jetzt hat es den nächsten erwischt. Und die Warterei und die Rechnerei gehen von vorne los. Wer hat mit wem zusammen in einem Bettchen geschlafen? Wer hat gemeinsam an einem Tischlein gesessen? Wer hat mit seinen Händchen welche Klinke berührt? Zwischen Lüften, Händewaschen und Klinkenputzen schreibe ich, um nicht dem Wahnsinn oder zumindest der Sorge zu verfallen. Als ich meinen Eltern die schlechte Nachricht von einer weiteren Infektion überbracht habe, musste ich mit den Tränen kämpfen – während sie übrigens schon dabei waren, Pläne zu schmieden, wie sie uns versorgen könnten, falls wir alle von Omikron befallen wären. Ich WILL mich aber NICHT infizieren!!! Es macht mir ANGST!!! Ich mache mir SORGEN, Long Covid zu bekommen, seitdem ich das erste Mal davon gehört habe. Deshalb also: weitermachen, lüften, Hände waschen, desinfizieren, isolieren. Meine mittlere Tochter sitzt im Wohnzimmer, meine Große in ihrem Zimmer, ich im Schlafzimmer. Ich trage fast ununterbrochen Maske, meine Ohren tun schon weh, meine Hände sind rau, meine Stimmung gedrückt. Obwohl alle zuhause sind, bin ich ständig allein.

Eine Bekannte von mir – Mutter von vier Kindern, drei so alt wie meine, eines ein Baby – ist beziehungsweise war auch gerade von Corona betroffen. Erst ihr Mann und ihre große Tochter, dann sie selbst, dann das Baby. Ihr Sohn und eine weitere Tochter sind bisher verschont geblieben (und ich drücke die Daumen, dass es so bleibt). Sie hat mir geschrieben: „Zwischendurch wollte ich einfach alle Türen aufreißen“. Und ich frage mich, ob das nicht echt eine Lösung wäre: Einfach alle Türen aufreißen – und dieser verrückten Isolation ein Ende setzen. Nutzt sie etwas? Das hat mich eine sehr gute Freundin gleich am Tag des ersten positiven Testergebnisses gefragt. Nutzt die Isolation überhaupt, wenn es Omikron ist? Und ich habe geantwortet: Ich weiß es nicht.

Auf ZEIT online habe ich heute gelesen, dass es für den Einzelnen keine gute Strategie sei, es jetzt auf eine Infektion anzulegen, um sie schnell hinter sich zu bringen. „Denn falls Covid-19 wider Erwarten doch schwer verläuft, dann wäre es jetzt, wo die Krankenhäuser so belastet sind, kein guter Zeitpunkt. Und auch wer sich heute ansteckt, ist damit keineswegs sicher, nicht später noch einmal zu erkranken.“ Gibt es auch noch gute Nachrichten? Fällt jemandem etwas ein? Ach ja, meine Kleinste hat jetzt Gesellschaft in ihrem Zimmer. Zusammen ist man weniger allein.

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