Immer wieder: Eat Sleep Travel Repeat

oder: In 80 Tagen um die Welt?

Vor einiger Zeit war eine Freundin bei uns zu Besuch, die wir nicht oft sehen. Meistens treffen wir uns nur einmal im Jahr, obwohl wir uns alle zusammen immer sehr wohl fühlen. Wir unterhielten uns über dies und jenes, unter anderem über unsere Urlaubspläne für die nächsten Monate: Amsterdam zu Himmelfahrt, Paris, die Atlantikküste, das Loire-Tal und Rumänien im Sommer, Neapel und die Amalfiküste im Herbst. „Ihr seid so richtige Jetsetter“, sagte unsere Freundin daraufhin und ich lächelte geschmeichelt. In Wahrheit sind wir ziemlich weit vom Jetset entfernt. Trotzdem vergnüge ich mich gern an exklusiven Urlaubsorten und anderen Treffpunkten, die in Mode sind, um die Beschreibung zu nutzen, die der Duden für den Begriff Jetset parat hat. Wir fliegen allerdings meist nicht mit dem Flugzeug dorthin, erst recht nicht mit dem Privatjet.

Kein Strand an der Côte d’Azur, sondern auf Bornholm.

Wir waren zum Beispiel schon in Cannes, die Mädels standen dort auf dem roten Teppich (allerdings ohne Zuschauer), wir haben in Saint-Tropez und Rom Eis geschleckt, sind in Venedig und Brügge über die Kanäle geschippert und haben London, Prag und Kopenhagen besucht. Wir sind im Gardasee geschwommen, im Atlantik, im Faaker See und im Mittelmeer – bei Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad Celsius. Wir waren auf Mallorca, Sizilien und Sylt. Aber noch viel öfter auf Bornholm und dem Darß, meist in Ferienhäusern, oft in Wohnungen, die wir über Airbnb gebucht haben, so gut wie nie in Hotels. Wir sind in die Lüneburger Heide gefahren, in den Harz und ins Fichtelgebirge – von wegen Jetset!

Sieht aus wie Jetset-Leben, ist der Jubilee Pool in Penzance.

Mir kommt es nicht darauf an, von Reichen und Schönen umringt zu sein. Im Gegenteil. Ich versuche tunlichst, das zu vermeiden, um als Underdog nicht unangenehm aufzufallen. Ich habe mir im vergangenen Jahr auf der Rückreise aus England eine Ralph-Lauren-Sonnenbrille im Duty-Free-Shop gekauft, hinter der ich mich zwischen all den Reichen und Schönen verschanzen könnte. Es ist das einzige Designer-Stück, das ich besitze (neben einer Gucci-Sonnenbrille, die mir meine Schwägerin geschenkt hat und die deshalb nicht zählt). Sogar Belle hat mehr und trägt mit Vorliebe Karl Lagerfeld.

Stourhead Garden. Keira Knightley hat hier für „Stolz und Vorurteil“ gedreht.

Beim Reisen geht es mir nicht nur um die Orte, die wir besuchen, sondern vor allem darum, andere Dinge zu erleben, als ich es zeitgleich in Berlin tun würde. Um das Gefühl, für einen kurzen oder längeren Zeitraum in ein alternatives Leben zu schlüpfen, mich dort hineinzuträumen. Wie würde es sich anfühlen, in einem Haus am See zu wohnen (wie im Mai in Amsterdam)? Morgens im Pyjama auf dem Steg einen Kaffee zu trinken? Abends in der untergehenden Sonne auf der Terrasse zu sitzen und Nudeln mit Tomatensauce zu essen? (Die Antwort lautet: Es fühlt sich großartig an!!!) Wie lebt es sich mit dem Meer oder den Bergen vor der Haustür? Wie auf dem Land? Wie in Cornwall oder Kärnten?

Auch so ein Traum von mir: den South West Coast Path entlangzuwandern.

Besonders gern mag ich es, dass ich im Urlaub sehr viel Zeit mit meinen Kindern und meinem Mann verbringen kann. Zeit, die sich anders anfühlt als der Alltag zuhause. Die Tage scheinen länger zu sein, intensiver, vor allem in den Sommerferien, die mir besonders verheißungsvoll erscheinen. Sie schmecken nach Erdbeeren, Melone und Fish and Chips, nach Oliven und Baguette. Sie duften nach Sonnenmilch und Salzwasser, das aus den Haaren tropft, nach Kiefernnadeln und der großen weiten Welt (selbst auf Bornholm). Oder nach Landleben wie bei unserem letzten Urlaub in der Lüneburger Heide. Dort haben wir zu Pfingsten auf einem Ferienhof gewohnt. Es gab Ponys, Ziegen, Kühe und Kaninchen. Im Garten standen ein Trampolin und zwei kleine Fußballtore. In der Nachbarwohnung machten Großeltern mit ihren zwei Enkelsöhnen (fünf und sieben Jahre alt) Urlaub. Nachmittags oder abends haben wir gemeinsam gekickt: Jungs gegen Mädchen, Mädchen gegen Jungs. Mein Mann und die beiden Kleinen, die sehr gut gespielt haben, gegen Belle, Supergirl, Baby Boss und mich. DAS ist es, was ich am Reisen liebe. Dinge zu tun, die ich ansonsten nicht tun würde. Nie wäre ich in Berlin auf die Idee gekommen, mit meinem Mann Fußball zu spielen. Wir sind seit fast 25 Jahren zusammen und haben es noch nie getan. Ich wusste nicht, dass mein Mann so gut spielt. Das habe ich erst jetzt entdeckt. Ich hätte auch nie die Möglichkeit gehabt, mit zwei kleinen Jungs zu kicken. Woher sollte ich die auch nehmen? Zu Pfingsten konnte ich einen kurzen Blick darauf erhaschen, wie wir aussehen würden, wenn wir neben unseren drei Töchtern noch zwei Söhne hätten. Es schaute gut aus.

Karibik? Nein, Cornwall.

Ich mag es, im Urlaub neue Orte zu entdecken, und ich mag es, an Orte zurückzukehren, die ich schon kenne. Es gibt einige, die zu meinem Seelenfrieden beitragen können: Bornholm zum Beispiel oder der Darß. Das sind richtige Sehnsuchtsorte für mich. Das bedeutet, dass ich immer wieder mal dorthin fahren muss. Sonst fehlt mir etwas.

Inspiration für zauberhafte Geschichten: der Bodden bei Prerow.

Im vergangenen Jahr habe ich mich in Cornwall schockverliebt, vor allem in die Gärten und Strände. Ich glaube, das wird jetzt wieder so ein Ort, an den ich immer wieder zurückkehren muss. Auf der Liste der Länder, die ich noch nicht kenne und gern bald bereisen würde, stehen Irland und Island ganz weit oben. Dass beide mit „I“ beginnen ist ein Zufall und nicht etwa ein Spleen. Ich bin also auch offen für andere Buchstaben. Hat jemand Tipps?

Auch Deutschland ist traumhaft! Hier die Bastei in der Sächsischen Schweiz.

Reisen macht mir aber auch noch aus einem anderen Grund Spaß. Ich finde, es ist relativ einfach, sich darüber Träume zu erfüllen. Den Traum, Nordlichter in Norwegen zu sehen, an der Seine zu spazieren, durch den Central Park zu joggen. All das ist leichter umzusetzen, als beispielsweise einen Verlag zu finden, der eines meiner Bücher veröffentlicht.

Mein Mann und ich sagen oft, dass man leider nicht so viele Urlaubstage hat, wie man gern verreisen würde. Außerdem kosten Reisen Geld. Das ist vielleicht der Grund, warum ich keine Designer-Klamotten besitze – ich lege lieber jeden Cent für den nächsten Urlaub beiseite.

PS Wo seid ihr im Urlaub? Was sind eure Lieblingsorte – und warum?

Versteht jemand, was mir an Englischen Gärten so gut gefällt?

3 Kommentare zu „Immer wieder: Eat Sleep Travel Repeat“

  1. Mal wieder ein schöner Text, der mit tollen Fotos aufwarten kann, vielen Dank! Die leichte Präferenz für England ist nicht zu übersehen 😉

    Ich persönlich suche gern immer wieder die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst auf, weil wir dort mit den Kindern schon so oft waren und gefühlt jeder Stein viele schöne Erinnerungen hervorruft…

    Sehr gern mag ich es, mit meiner Familie in den Sommerferien während einer längeren Rundreise viel Abwechslung und unterschiedliche Eindrücke zu haben, zum Beispiel Schlösser besichtigen und zwischendurch ein paar Tage am Strand verbringen.

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  2. Was für ein toller Blick auf die Welt und das Reisen! Wir gehören auch nicht zu den Jetsetern in dem Sinne. Aber wir entdecken gerne die große weite Welt.
    Corona hat geholfen den Blick wieder etwas mehr auf Europa zu konzentrieren und doch fliegen wir dieses Jahr wieder nach Asien.
    Mein Sehnsuchtsort ist San Francisco. Das hat aber primär damit zu tun, das dort meine Cousine lebte. Asien besuchen wir gerne wegen unseren Freunden, die in Hongkong leben.
    Schau doch gerne vorbei, ab Oktober gehts bei uns wieder los 😉

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    1. Tut mir leid, dass ich deinen Kommentar eben erst freigegeben habe. Er ist aus unerklärlichen Gründen in meinem Spam-Ordner gelandet. Wie gut, dass ich ihn dort gefunden habe! 🙂
      San Francisco! Da möchte ich auch unbedingt mal hin! Ich war noch nie in den USA und die eine oder andere Ecke steht ganz weit oben auf meiner Liste. Tatsächlich haben mein Mann und ich in den vergangenen Tagen gerade darüber gesprochen, ob wir nächstes Jahr eine Rundreise an der Ostküste unternehmen. Für die Westküste gibt es ja viel Inspiration auf deinem Blog, habe ich gerade nachgeschaut. 😉
      Herzliche Grüße, Sophie

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