Zum letzten Mal: Kartoffelchips essen

oder: Grüße aus dem Belohnungszentrum

Vor längerer Zeit hatten Baby Boss, Supergirl und ich mit Belle eine Wette zu laufen. Wenn wir drei es schaffen würden, ein Jahr lang nur einmal pro Woche Kartoffelchips zu essen, müsste sie den von mir für sie auserwählten „Leon“ nach einem Treffen fragen. Auf diese Weise versprach ich mir, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Erstens würde ich mich gesünder ernähren. Und zweitens käme ich meinem Ziel, Belle mit Leon zu verkuppeln, deutlich näher.

Baby Boss, Supergirl und vor allem ich waren entsprechend motiviert und diszipliniert. Aber dann kam leider der Vorfall mit dem Chat der Jungen aus Belles Klasse dazwischen, in den auch Leon verwickelt war – und meine zwei jüngeren Töchter und ich beschlossen, das Chips-Fasten aufzugeben. Leon schien uns doch nicht mehr geeignet. Oder nicht geeignet genug, um deshalb auf vor Fett triefende, aber dennoch oder gerade deswegen köstliche Chips zu verzichten.

An alle Gesundheitsapostel: Das bedeutet natürlich nicht, dass wir normalerweise mehrmals pro Woche Chips essen. Natürlich tun wir das nicht (obwohl wir das vielleicht gern würden)! Wir versuchen, uns auf einen Abend zu beschränken. Meist ist es unser Fernsehabend. Früher war es der Freitag, an dem wir den sogenannten Freitagsfilm sahen. Jetzt ist es der Samstag mit dem Samstagsfilm, weil Supergirl jeden Freitagabend beim Turntraining ist.

Ich würde von mir behaupten, dass ich nicht viele Laster habe. Ich rauche nicht, ich trinke nicht, ich nehme – natürlich! – keine Drogen und habe erfreulicherweise auch keine anderen Süchte. Aber! Ich esse gern Süßigkeiten, vor allem Kuchen, und leider auch gern Kartoffelchips, vor allem mit Sour-Cream-Geschmack, obwohl mir davon im Nachhinein meist ein bisschen schlecht wird. Das Problem bei Chips ist: Wenn man welche im Haus hat, isst man sie auch. Selbst, wenn man es nicht möchte. Es ist wie ein Zwang! Vielleicht reicht die Disziplin, um bei einer Gelegenheit damit auszusetzen. Aber wenn alle um einen herum Chips mampfen, dann greift man – ich! – leider irgendwann doch in die Schüssel. Und dann eben auch nicht nur einmal!!! Denn Kartoffelchips, das habe ich mal im Fernsehen gehört, haben ein bestimmtes Verhältnis von Kohlenhydraten zu Fett, das uns Menschen dazu bewegt, immer mehr davon essen zu wollen.

Es gibt tatsächlich Forschung dazu: Beim Genuss von Chips wird der Nucleus accumbens aktiviert, ein Bereich im Vorderhirn, der als Belohnungszentrum gilt. Bei Personen mit höherem Body Mass Index wird dieser Bereich noch stärker aktiviert als bei denen mit niedrigerem BMI. Das finde ich richtiggehend gemein!

Die Satire-Website „Der Postillon“ hat daraus mal einen witzigen Artikel gemacht, in dem es um einen Fakir ging, der es geschafft hätte, aus einer frisch geöffneten Chips-Tüte nur einen einzigen zu essen. Das sei vorher niemandem gelungen. Keiner hat mehr darüber gelacht als mein Mann, der gefühlt jeden Abend Kürbiskerne knackt, um nur ja nicht in die Verlegenheit zu kommen, nach Kartoffelchips zu greifen. Aber er ist derjenige, der dafür sorgt, dass die Vorräte nie versiegen! Warum nur? Er spart doch auch sonst immer gern. Und ich werde euch sagen: Es gibt einen Zusammenhang! Er kauft nämlich auch Chips gern im Angebot und dann gleich fünf oder sechs Tüten. Vielleicht sind es auch zehn. Ich zähle schon gar nicht mehr. Ich traue mich in solchen Phasen nicht, den Küchenschrank zu öffnen. Es könnte einem eine Chipstüte auf den Kopf fallen. Paprika, Salz, Oriental, Sour Cream!

Als wir zuletzt verreist waren – Kopenhagen am Himmelfahrtswochenende – griffen wir auch dort im Supermarkt wie fremdgesteuert ins Snack-Regal. Und zwar gleich in zwei verschiedenen Supermärkten zu insgesamt drei – in Worten DREI! – Tüten Chips. Die möchte man dann natürlich nicht mit nach Hause nehmen, sondern vor Ort essen. Alles andere wäre Quatsch, zumal zuhause vielleicht gar kein Platz mehr ist für weitere Chips-Tüten. Also gab es an zwei Tagen hintereinander abends Kartoffelchips, einmal zu unserer Lieblingsserie Modern Family, einmal zum Finale des ESC, das sich auch nur mit Chips ertragen lässt. (Sorry an alle Fans!)

Am ersten Abend schaffte ich es, mich nicht in den knuspernden Reigen meiner Familienmitglieder einzureihen. Ich lauschte dem Krachen der Chips, inhalierte den würzigen Duft – aber blieb standhaft. Am zweiten Abend MUSSTE ich allerdings zugreifen. Und da platzte mir der Kragen. „Wir dürfen keine Chips mehr kaufen!“, rief ich. „Es durchkreuzt all meine Pläne, gesünder zu leben! Ich kann das einfach nicht mehr!“ „Wir auch nicht! Wir auch nicht!“, riefen die Kinder im Chor, nachdem sie die letzten Chipskrümel heruntergeschluckt hatten.

Ich griff zu meinem Handy und recherchierte, warum Chips eigentlich so schlecht für die Gesundheit sind. Und fand ganz furchterregende Einträge! Natürlich wusste ich, dass Kartoffelchips nicht gerade gesund sind. Aber so schlimm? Ich bekam einen Hypochondrie-Anfall. Irgendwo stand sogar, dass Chips so schädlich wären wie Zigaretten! Ich suchte mit zitternden Händen nach Warnhinweisen auf der Chipstüte. Alles in Dänisch!

Ich weiß nicht, warum die Mädchen sofort auf mein Chips-Verbot eingingen. Vielleicht, weil es gar kein Verbot war, sondern eine Beschränkung. Wir beschlossen, nur noch einmal im Monat (!) Chips zu essen. Stattdessen möchten wir für unseren Fernsehabend einen bunten Teller einführen und dafür sogar Snackteller mit Fächern kaufen, die jeder auch nur einmal befüllen darf. Es gibt die fünf Kategorien Kerne/Nüsse/Trockenfrüchte, Obst, Gemüse, Süßes und Salziges. Das Los entscheidet wöchentlich, wer für welche Kategorie zuständig ist. Chips sind verboten.

Belle hat sicherheitshalber gerade nochmal nachfragt, ob wir wirklich schon diese Woche mit dem „gesunden Abend“ anfangen – oder nicht doch erst mal all die restlichen Chips aufessen wollen. Sie hat gut lachen mit ihrem niedrigen BMI.

PS Was knabbert ihr am liebsten?

9 Kommentare zu „Zum letzten Mal: Kartoffelchips essen“

  1. Haha, ich wünsche gutes Durchhaltevermögen! Eine „Chipsomania“ hatte ich noch nie, im ganzen Leben nicht. Dabei wurde ich damit angefüttert in der frühen Jugend, nach dem Mauerfall waren bei uns plötzlich Salzstangen und Wurzner Erdnussflips aus der Mode und Kartoffelchips das angesagte Fressen. In Italien bin ich enttäuscht, wenn eine Bar geizig ist und zum Drink nur Chips serviert. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Sie schmecken, aber ich kann drauf verzichten und kaufe sie außer zu Kindergeburtstagen (mittlerweile Teenager-Partys) nie. Ich nasche gern Schokolade. Und wenn ich Lust auf Salziges habe, sind es bei uns in Italien eher Taralli oder neuerdings Galette in Dreiecksform, auf Reis- oder Mais- oder Dinkelbasis. Habt ihr diese Snacks in Deutschland jetzt auch, oder sie im Italienurlaub mal probiert?

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    1. Ach, ich wünschte, ich könnte das von mir behaupten, dass ich auf Chips gut verzichten kann! Wirklich, mein Geheimnis ist, dass einfach keine im Haus sein dürfen!
      Taralli kenne ich nicht, aber es klingt schon mal hübsch. 😉 Und Reis- und Maiswaffeln gibt es bei uns auch und zumindest die Maiswaffeln werden gern als Snack gegessen. Und Grissini!
      Welche Schokolade magst du denn besonders gern? Darauf würde ich übrigens auch nicht verzichten wollen und wüsste nicht, wohin ich eher greifen würde: zu Chips oder Schokolade. Kommt bei letzterer entscheidend auf die Marke an, die ich jetzt natürlich nicht nenne. 😉

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      1. Taralli sind eine Spezialität aus Apulien. Etwa wie Grissini, nur mit kompakterem Teig und zu Ringen geformt. Die sättigen recht gut, zum Aperitivo sollte man sich zurückhalten, falls es danach noch ordentlich was zu essen geben soll.
        Bei Schokolade mag ich am liebsten Nougat. Sonst Bitterschokolade. Weihnachten auch mal Marzipan, aber nicht zu süß und immer mit dunkler Schokohülle.😋

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  2. Ich nasche gern dunkle Schokolade, weil sie sehr gesund sein soll 😉
    Was das Chips essen angeht: das Geheimnis ist wirklich, keine im Haus zu haben. Zur Not kann ich aber auf sie verzichten, zum Beispiel habe ich vor Ostern „gefastet“ und u.a. ganz tapfer die Chipstüte abgelehnt…

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  3. Jetzt hast Du mich dazu gebracht die Tüte Chips mit Ziegenkäse und Honiggeschmack die hier rum liegt aufzumachen.
    Ich kann die aber auch gut liegen lassen.
    Schaden tun mir die nicht, außer das in den meisten Chips irgendwas drin ist was ich nicht darf oder mit der Fruktoseintoleranz nicht vertrage und im allgemeinen nur die mit Salz esse.
    Finde ich Würmer definitiv leckerer.
    Naschen leider alles was süß ist.
    Wo ich diese Fruktoseintoleranz her habe weiß ich schon sehr genau..

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      1. Gab es bei Penny zu Ostern, Gourmets Chips von Best Moments bei den Sonderartikeln.
        Waren runtergesetzt trotz meiner Fruktoseintoleranz muss ich immer alles ausprobieren was ich nicht kenne oder neu ist.😜🤣

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